baut keinen scheiß

Ein Beitrag von Architects for Future zum Hamburger Architektursommer 2026

Ansicht des Wohnprojekts Amigo* in der Hafencity Hamburg
Ansicht der Quarterpipe in der Hafencity Hamburg

Amigo*

Architekturbüro bof Architekten
Fertigstellung 2024
Standort Versmannstraße 66, 20457 Hamburg
Nutzung Wohnen

Das Gebäude

Entstanden aus einer klassischen Baugruppe heraus ist das Wohnprojekt Amigo* im Baakenhafen Quartier. Die Initiative, welche sich schon 2013 gegründet hatte und ursprünglich in der Neuen Mitte Altona bauen wollte, wurde einige Jahre später über das Stadtplanungsbüro „luchterhandt & partner” zusammen mit „Kiezkompanie”, einer Gesellschaft zur Begleitung von Baugemeinschaften, für das Baufeld 84 in der Hafencity angefragt. Die Einbeziehung von Baugruppen war bei der Entwicklung des Quartiers eine notwendige Voraussetzung.

In diesem Zusammenhang ist eine Studie der HafenCity Hamburg GmbH interessant, welche die Wirkung von Baugruppen zur Förderung sozialer Integration und nachbarschaftsbildender Maßnahmen untersucht und zu dem Schluss kommt, dass das Potential von Baugemeinschaften in der östlichen Hafencity für gemeinwohlbildende Quartierseffekte überschätzt wurde. [1] Dies liegt unter anderem an den hohen Preisen in der Hafencity, sodass sich größtenteils nur akademische, finanziell abgesicherte Haushalte überhaupt auf eine Fläche bewerben können und die Baugruppen daher sozial wenig durchmischt sind. Auch die Vorgaben zur Haushaltsstruktur und die Erwartung eines großen sozialen Mehrwerts für das Quartier als grundlegendes Zuschlagskriterium stellen Baugemeinschaften vor Herausforderungen. Dabei besteht die Gefahr, dass in der Bewerbungsphase zwar attraktive, jedoch häufig überambitionierte Konzepte entstehen, die im Laufe des Prozesses dann immer weiter reduziert werden müssen, da z.B. offen zugängliche Gemeinschaftsflächen schließlich von allen Bewohner:innen gemeinsam finanziell getragen werden müssen. Generell zeigt sich, dass die HafenCity für die meisten befragten Baugemeinschaften hauptsächlich aufgrund eines Mangels an konkurrenzfähigen alternativen Standorten in den Fokus rückte. [1]

In der HafenCity sind bisher 18 gemeinschaftlich organisierte Bauprojekte realisiert worden, davon liegen 13 im Quartier Baakenhafen. Durch ihre räumliche Bündelung machen sie einen bedeutenden Anteil des Wohnungsbestands im östlichen Teil der HafenCity aus. Acht dieser Projekte sind als Wohneigentümergemeinschaften (WEG) organisiert, während fünf weitere als Mietergemeinschaften unter dem Dach bestehender Genossenschaften umgesetzt wurden. [1] Dazu gehört auch das Projekt Amigo*. Ursprünglich hatte sich die Gruppe auf Eigentum beworben, nach Abstimmungen und Verhandlungen wurde die Bauherrenschaft allerdings an die große Hamburger Baugenossenschaft Hamburger Wohnen abgetreten. Der Start des Bauvorhabens fiel leider mit der Baukrise aufgrund von Pandemie und Ukraine-Krieg zusammen: Steigende Baukosten und Zinsen haben auch dieses Projekt getroffen und führten so zu hohen Mieten von 18,50 € kalt im freifinanzierten Segment. [2] Dies hatte zur Folge, dass Menschen aus dem Projekt ausstiegen, da sie sich finanziell die geplante Wohnung nicht mehr leisten konnten. Verfolgt wurde aber von Anfang an ein solidarisches Modell, sodass zumindest im kleinen Rahmen Möglichkeiten der Unterstützung bereitgestellt werden. Das 2024 fertiggestellte Gebäude umfasst 29 Wohnungen, darunter 13 öffentlich geförderte Einheiten. [2]

Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei diesem Wohnprojekt auf der Bereitstellung von gemeinschaftlich genutzten Flächen. Der „Quarterpipe” genannte Raum im Erdgeschoss, der als Skatepark oder auch als Veranstaltungsfläche vielseitig genutzt werden kann, ist hier besonders hervorzuheben. [3] Da die Kosten dieser Räume auf die Mietenden umgeschlagen werden, muss allerdings eine gewisse Balance gehalten werden zwischen wirtschaftlichen Vermietungen als Eventfläche und kostenlosen Veranstaltungen wie Konzerte oder Flohmärkte für das Quartier. Dieses vielfältige, allen offenstehende Angebot wird rege genutzt und als klare Bereicherung des ansonsten recht homogenen Umfelds der Hafencity gesehen. Zum architektonischen Konzept gehört auch eine große gemeinsame Dachterrasse, die allen Bewohner:innen zur Verfügung steht. Das ursprüngliche Konzept, auf jedem Geschoss einen sogenannten „Schaltraum” vorzusehen, der als zusätzlicher Raum zum Beispiel als gemeinschaftliches Arbeitszimmer, Gästewohnung oder Erweiterungsfläche für die angrenzenden Wohneinheiten genutzt werden kann, wurde aufgrund von Kostengründen leider nicht realisiert.

Bezug zu den Forderungen von Architects for Future

  • Forderung 9: Übernehmt soziale Verantwortung: Das Wohnprojekt bietet durch die vielfältig bespielbare Fläche im Erdgeschoss einen Mehrwert fürs Quartier.

  • Forderung 10: Plant integral: Die Bewohner:innen waren von Beginn an in den Planungsprozess eingebunden, gemeinschaftliche Räume sind zentraler Bestandteil der Architektur.

Quellen

  1. HafenCity Hamburg GmbH: Studie Baugemeinschaften östliche HafenCity - zuletzt abgerufen am 05.04.2026
  2. Wohnungswirtschaft Heute: Wohnprojekt Amigo* in der HafenCity - zuletzt abgerufen am 05.04.2026
  3. Website Quarterpipe - zuletzt abgerufen am 05.04.2026