Ehemalige Commerzbank
Das Gebäude
Direkt am Nikolaifleet in der Hamburger Altstadt stand das Ensemble der ehemaligen Commerzbank-Zentrale. Es umfasste den weißen Altbau und den Erweiterungsbau (Hochhaus), die durch eine Fußgängerbrücke miteinander verbunden waren. Das Hochhaus war laut dem Denkmalverein Hamburg ein „wichtiges Zeugnis der Nachkriegsarchitektur” und eingetragenes Baudenkmal. Es war war der erste Bau in Hamburg mit hervortretenden Geschossdecken und Galerien und eines der wenigen Gebäude Godber Nissens, das in seiner ursprünglichen Raumwirkung erhalten war. Der Altbau war laut Denkmalschutzamt zu stark verändert, um unter Schutz gestellt zu werden. [2]
Ein Fachgutachten von 2015 erklärte eine Umnutzung des Hochhauses aus bauordnungsrechtlichen, baukonstruktiven und wirtschaftlichen Gründen für nicht möglich. Der Denkmalrat widersprach und hielt eine denkmalgerechte Sanierung für machbar. Der Denkmalverein bezeichnete den daraufhin genehmigten Abriss als „unwiederbringliche Zerstörung eines stadtbildprägenden Ensembles”. [2],[3]
2023 wurde das Ensemble abgerissen. Das Projekt „Nikolai Hamburg” wurde ursprünglich von Procom Invest entwickelt und nach dem Verkauf des rund 6.800 m² großen Grundstücks von der Bilton Real Estate GmbH übernommen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 350 Millionen Euro. Am Standort des Altbaus entsteht ein Neubau mit rund 100 Wohnungen (davon ca. 30 gefördert), Büros, Gastronomie und Einzelhandel; auf dem Grundstück des Hochhauses ein Bürogebäude. Eine Tiefgarage mit rund 140 Stellplätzen und Fahrradstellplätzen ist ebenfalls vorgesehen. [1],[5]
Ein Blick auf die Visualisierungen des Neubaus zeigt, dass das Gebäude am Standort des ehemaligen Altbaus gestalterisch stark an diesen angelehnt ist. Elemente der historischen Fassade wurden im Entwurf aufgegriff en – tatsächlich erhalten geblieben ist jedoch nichts. Mit dem Bebauungsplan „Hamburg-Altstadt 50 – Nikolai-Insel/Domstraße“ wurde 2024 die planungsrechtliche Grundlage für die Neubebauung geschaff en. Der Hauptausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte stimmte dem Entwurf zu und ermöglichte damit die Einreichung der Bauanträge. Vorgesehen ist ein Nutzungsmix aus Wohnen, Büros, Einzelhandel und Gastronomie, der zur Belebung der Innenstadt beitragen soll. Im weiteren Umfeld des Nikolai-Quartiers und der Domstraße sind insgesamt rund 160 Wohnungen geplant, davon etwa 50 öff entlich gefördert. [5]
Die Projektkommunikation beschreibt das Vorhaben als Verbindung von „historischem Erbe und Innovation”. Gleichzeitig enthalten die veröffentlichten Projektbeschreibungen Aussagen, nach denen Fassadenelemente des Altbaus erhalten bleiben sollten, tatsächlich wurde das Gebäude jedoch vollständig abgerissen. Die weiterhin verwendeten Visualisierungen stammen noch aus einer früheren Planungsphase vor dem Eigentümerwechsel von Procom zu Bilton Real Estate. Aktualisierte Darstellungen wurden bislang nicht veröffentlicht, sodass unklar bleibt, inwieweit die kommunizierten Inhalte dem aktuellen Planungsstand entsprechen. [6]
Bezug zu den Forderungen von Architects for Future
- Forderung 2: Hinterfragt Abriss kritisch: Trotz Denkmalschutz für das Hochhaus wurde der Abriss auf Grundlage wirtschaftlicher Argumente genehmigt und umgesetzt. Der Fall zeigt exemplarisch, wie der Erhalt von Bestandsgebäuden gegenüber wirtschaftlichen Interessen zurücktritt. Besonders widersprüchlich erscheint dies vor dem Hintergrund, dass der Neubau gestalterisch an den abgerissenen Altbau anknüpft.
- Forderung 5: Konstruiert kreislauffähig und klimapositiv: Der vollständige Abriss widerspricht dem Prinzip einer kreislauforientierten Bauweise, die auf Erhalt, Weiterbauen und Wiederverwendung abzielt. Anstatt bestehende Strukturen als Ressource zu nutzen, beginnt der Materialkreislauf erneut – mit entsprechend hohem Ressourcenverbrauch.
- Forderung 9: Übernehmt soziale Verantwortung: Mit neuen Wohnungen, darunter auch öff entlich geförderte, trägt das Projekt zur Nutzung der Innenstadt als Wohnstandort bei. Gleichzeitig entsteht ein Großteil im hochpreisigen Segment, sodass die soziale Wirkung begrenzt bleibt und eher den üblichen Vorgaben folgt als darüber hinauszugehen.
Quellen
- Abendblatt: Ehemalige Commerzbank in der Altstadt weicht Neubau mit Wohnungen, Büros und Einzelhandel - zuletzt abgerufen am 07.04.2026
- Denkmalverein: Commerzbank-Ensemble am Nikolaifleet - zuletzt abgerufen am 07.04.2026
- Rote Liste: Commerzbank-Hochhaus Hamburg - zuletzt abgerufen am 07.04.2026
- Focus: Commerzbank-Zentrale droht der Abriss - zuletzt abgerufen am 07.04.2026
- Abendblatt: Hamburger City-Bezirk gibt grünes Licht für zwei spektakuläre Bauvorhaben - zuletzt abgerufen am 07.04.2026
- Nikolai Hamburg - zuletzt abgerufen am 07.04.2026