baut keinen scheiß

Ein Beitrag von Architects for Future zum Hamburger Architektursommer 2026

Ansicht der Kita Baakenhafen Hamburg
Ansicht der Kita Baakenhafen Hamburg von der Seite

Kita Baakenhafen

Architekturbüro Werk Arkitekter (Entwurf), Limbrock Tubbesing (Werk- und Ausführungsplanung)
Fertigstellung 2023
Standort Baakenallee 35, Hamburg
Nutzung Kindertagesstätte

Das Gebäude

Die Kindertagesstätte Baakenhafen in Hamburg wurde von PORR Hochbau Region Nord im Auftrag der SterniPark GmbH realisiert. Der Entwurf stammt vom dänischen Architekturbüro Werk Arkitekter und die Werk- und Ausführungsplanung wurde vom Hamburger Architekturbüro Limbrock Tubbesing Architekten durchgeführt.

Das achtgeschossige Gebäude bietet Platz für bis zu 250 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren und vereint mehrere Nutzungen unter einem Dach. Neben der Kita umfasst das Gebäude unter anderem ein Lehrschwimmbecken im Untergeschoss, eine Erzieherfachschule, ein Eltern-Café sowie ein Beratungszentrum für Familien. Die Kita bildet zusammen mit der angrenzenden Grundschule eine funktionale und architektonische Einheit. Einzelne Einrichtungen werden gemeinsam genutzt oder stehen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung, darunter die Sporthalle im UG der Grundschule und das Lehrschwimmbecken der Kita. Das Schwimmbecken ist höhenverstellbare und dient der frühen Wassergewöhnung. Der Schwimmunterricht ist kostenfrei. [1],[2] Im Quartier Baakenhafen ist formell eine umfassende soziale Infrastruktur vorgesehen. Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch, dass insbesondere im Schul- und Vorschulbereich die Bedarfe nicht gedeckt werden können. So standen im Schuljahr 2025/26 an der Grundschule Am Baakenhafen für 117 Anmeldungen nur 69 Vorschulplätze zur Verfügung.[3],[4]

Die Entwurfsarchitekten von Werk Arkitekter entwickelten die Idee einer durchgehenden Begrünung, die sich sowohl im Inneren als auch auf dem Dach fortsetzt. So ziehen sich begrünte Spielflächen durch das gesamte Gebäude bis hin zur Dachterrasse, auf der sich ein Spielplatz und ein Kinderrestaurant befinden. Dieses Konzept wurde von Limbrock Tubessing Architekten in der Ausführungsplanung weiterentwickelt und auf die gesamte Fassade ausgeweitet. [1]

Die Grünfassade wurde von niederländischen Unternehmen Sempergreen in Zusammenarbeit mit HPM Fassadentechnik GmbH ausgeführt. Insgesamt wurden rund 1.883 m² Fassadenfläche mit über 143.000 Pflanzen vollflächig begrünt. Das Projekt wurde beim BuGG-Wettbewerb 2026 mit dem zweiten Platz in der Kategorie Fassadenbegrünung ausgezeichnet. [5],[6] Die Fassade besteht aus einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade mit sogenannten Flexipanels. Sie werden in Gewächshäusern vorgezogen und sind bei der Montage bereits zu 90 % begrünt. Über ein automatisches Bewässerungs- und Nährstoffsystem, das mehrmals die Woche überprüft wird, werden alle Pflanzen mit Wasser und Dünger versorgt. [7] Nach Angaben des Herstellers trägt die Fassade zur Verbesserung der Luftqualität bei, indem sie CO₂ und Feinstaub aufnimmt. Im Durchschnitt werden dabei etwa 2,3 kg CO₂ pro Quadratmeter und Jahr gebunden. Gleichzeitig wirkt die Begrünung temperaturausgleichend, dämmend und schallabsorbierend und erzeugt einen kühlenden Effekt. Darüber hinaus produziert die Fassade rund 1,7 kg Sauerstoff pro Quadratmeter und Jahr und leistet damit einen Beitrag zur Versorgung der Umgebung mit sauberer Luft. [8] Allerdings ist der Aufwand wandgebundener Systeme wie dem von Sempergreen in Herstellung, Instandhaltung und Wartung sehr hoch – im Gegensatz zu bodengebundenen Systemen mit Kletterpflanzen. [9]

Bezug zu den Forderungen von Architects for Future

  • Forderung 4: Entwerft zukunftsfähige Qualität: Die Kopplung und gemeinsame Nutzung von Funktionen mit der Grundschule ermöglicht eine effizientere Auslastung der vorhandenen Räume und Ressourcen. Gleichzeitig erhöht das gemischte Raumprogramm aus Kita, Beratungsangeboten und Erzieherfachschule die grundsätzliche Anpassungsfähigkeit des Gebäudes im gesamten Lebenszyklus.

  • Forderung 7: Stärkt die Klimaresilienz: Die Fassaden- und Dachbegrünung verbessert das Mikroklima, reduziert Hitze in der direkten Umgebung und erhöht die Aufenthaltsqualität.

  • Forderung 8: Erhaltet und schafft Raum für Biodiversität: Die Fassadenbegrünung und begrünte Dachflächen schaffen, zumindest lokal, zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Insekten. Die punktuelle Begrünung steht allerdings einem stark versiegelten Quartier gegenüber.

  • Forderung 9: Übernehmt soziale Verantwortung: Die Schaffung von Kita-Plätzen in einem neuen Stadtteil, kostenlose Angebote für das Lehrschwimmen sowie Familienberatung und weitere Leistungen unter einem Dach stellen wichtige Maßnahmen dar. Ob diese Angebote den tatsächlichen Bedarfen gerecht werden, bleibt jedoch abzuwarten.

Quellen

  1. PORR: Kindertagesstätte Baakenhafen Hamburg - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  2. Entwicklungsstadt: Architektur mit Anspruch - Zwei Bildungsbauten am Baakenhafen setzen Maßstäbe - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  3. HafenCity Hamburg GmbH: Studie Baugemeinschaften östliche HafenCity - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  4. NDR: Viele Vorschulkinder abgewiesen - Ärger in der HafenCity - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  5. Instagram Post - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  6. BuGG Wettbewerbe - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  7. Sempergreen - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  8. Sempergreen: Wie eine Sempergreenwall dabei hilft CO2 zu absorbieren - zuletzt abgerufen am 24.04.2026
  9. Bundesverband GebäudeGrün: Grüne Innovation Fassadenbegrünung - zuletzt abgerufen am 24.04.2026