baut keinen scheiß

Ein Beitrag von Architects for Future zum Hamburger Architektursommer 2026

Ansicht des Moringa Hamburg
Detail Baustelle Moringa

Moringa

Architekturbüro kadawittfeld architektur
Fertigstellung 2027 (geplant)
Standort Lucy-Borchardt-Str. 12, 20457 Hamburg
Nutzung Büro

Das Gebäude

Als neues Vorzeigeprojekt in der Hafencity wird aktuell das Wohnhochhaus Moringa von Projektentwickler Landmarken realisiert. Konsequent nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip geplant, versteht sich das Gebäude als Materiallager der Zukunft. Dieses Konzept wurde in den 1990er-Jahren von dem Chemiker Michael Braungart und dem Architekten William McDonough geprägt. Ihr Ansatz verfolgt die Vision einer abfallfreien Wirtschaft, in der Materialien so konzipiert sind, dass sie nach einer Demontage nicht entsorgt, sondern in gleichwertiger Qualität erneut verwendet werden können. In der Praxis bedeutet das für das Moringa: Bis zu 80 % der verbauten Materialien sollen demontierbar und erneut nutzbar sein [1] Die vorgesehene Holzfassade ist beispielsweise modular aufgebaut. Dies ermöglicht es, die einzelnen Bauteilschichten klar voneinander zu trennen, was wiederum eine unkomplizierte Demontage begünstigt. Auf diese Weise wird die Grundlage für die Kreislauffähigkeit des Gebäudes geschaffen, da die verwendeten Materialien nach der Nutzung weiterverwertet und in neue Nutzungskreisläufe überführt werden können. Ob es sich hier um einen konsequenten Re-Use oder ein sogenanntes Downcycling mit deutlichen Qualitätsverlusten handeln wird, bleibt offen.

Dokumentiert werden Prozess und Bau mittels eines Gebäude-Materialausweises. Zudem soll für das Gesamtprojekt eine CO2-Bilanz erstellt werden. [2] Die Errichtung eines Hochhauses dieser Größenordnung erfordert allerdings erhebliche Mengen an Beton, Stahl und technischen Komponenten, deren Herstellung mit hohen CO₂-Emissionen verbunden ist. Auch wenn ein Teil dieser Materialien künftig wiederverwendet werden kann, entsteht die graue Energie zunächst vollständig im Moment der Errichtung. Die ökologische Entlastung wird somit zeitlich verschoben und ist abhängig von einem hypothetischen Rückbau in mehreren Jahrzehnten.

Als das „gesündeste Haus der Stadt” bezeichnet, sollen insgesamt (horizontal und vertikal) mehr Grünflächen entstehen als überbaut werden, sodass das Gebäude eine „grüne Lunge” im stark versiegelten Quartier der Hafencity bildet. [3] Auch im Innenausbau wird auf recyclefähige, schadstofffreie Materialien gemäß dem Cradle-to-Cradle-Prinzip geachtet, sodass ein gesundes Raumklima geschaffen wird.

Ein weiterer Grundgedanke von Cradle-to-Cradle ist die Sicherstellung des Produktkreislaufs durch verbindliche Herstellerrücknahmen. Ein Beispiel ist hier die bereits geschlossene Vereinbarung mit Kaldewei: Der Badhersteller nimmt die im Gebäude verbauten Sanitärprodukte nach dem Ausbau zurück und führt sie dem Materialkreislauf wieder zu. So ist bereits vor Baubeginn sichergestellt, dass Produkte wie Duschflächen, Waschtische und Badewannen aus recyclingfähigem Stahl-Emaille auch bei einem späteren Rückbau weiterverwendet werden. [4]

Neben den 212 Mietwohnungen werden Co-Living und Co-Working mit gemeinschaftlich genutzten Aufenthaltsräumen und Küchen sowie Multifunktionsräumen integriert. Außerdem entstehen eine Kita, Gastronomie und Handelsflächen. Ein Drittel der Wohnungen ist gefördert, sodass die Preise ab 6,70 Euro pro Quadratmeter starten.[2] im frei finanzierten Segment liegen die Kosten allerdings im üblichen Hafencity-Niveau bei 20 Euro (kalt) pro Quadratmeter. [5]

Quellen

  1. Projektwebsite des Projektentwicklers - zuletzt abgerufen am 05.04.2026
  2. Artikel zu Moringa auf Haufe.de - zuletzt abgerufen am 05.04.2026
  3. Projektwebsite des Architekturbüros - zuletzt abgerufen am 05.04.2026
  4. Artikel zu Moringa auf Stadtmarken.de - zuletzt abgerufen am 19.04.2026
  5. Artikel zu Moringa in der Mopo Hamburg - zuletzt abgerufen am 05.04.2026